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Praxis

Altersvorsorgedepot 2027: So wird die neue geförderte Rente nachhaltig

28. September 2026·7 Min. Lesezeit·Redaktion Grüne Geldanlage
Junger Baum wächst aus einem Sparglas als Symbol für nachhaltige Altersvorsorge

Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot, die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente. Erstmals fördert der Staat den Vermögensaufbau mit ETFs und Fonds direkt, ohne teure Beitragsgarantien und mit gedeckelten Kosten. Für alle, die ihr Geld nachhaltig anlegen möchten, stellt sich damit eine neue Frage: Lässt sich die staatliche Förderung mit grünen Anlagekriterien verbinden, und worauf kommt es dabei an?

Die kurze Antwort: Ja, das geht. Aber das Altersvorsorgedepot ist nicht automatisch nachhaltig. Ob es grün wird, entscheiden Sie selbst, durch die Wahl des Anbieters, der Depotvariante und vor allem der Fonds, die Sie besparen.

Was das Altersvorsorgedepot ist

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Das Gesetzgebungsverfahren ist abgeschlossen: Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz im März 2026 beschlossen, der Bundesrat im Mai zugestimmt. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Anbieter die neuen Produkte verkaufen. Gleichzeitig können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge laufen weiter.

Neu ist auch der Kreis der Berechtigten: Neben Arbeitnehmern und Beamten können künftig auch Selbstständige und Freiberufler das geförderte Depot nutzen.

So hoch ist die Förderung

Die Förderung ist bewusst so gestaltet, dass schon kleine Beiträge stark profitieren:

  • Grundzulage: 50 Cent je eingezahltem Euro auf die ersten 360 Euro im Jahr, 25 Cent je Euro auf weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro. Das ergibt maximal 540 Euro Zulage pro Jahr.
  • Kinderzulage: bis zu 300 Euro je Kind und Jahr, unter bestimmten Voraussetzungen.
  • Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 Euro für junge Sparer unter 25 Jahren.
  • Steuervorteil: Einzahlungen können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Übersteigt die Steuerersparnis die Zulage, wird die Differenz über die Steuererklärung erstattet, was vor allem Gutverdienern zugutekommt.

Ein Rechenbeispiel zeigt den Hebel: Wer jährlich 1.800 Euro einzahlt, also 150 Euro im Monat, erhält 540 Euro Grundzulage dazu. Aus 1.800 Euro Eigenbeitrag werden so 2.340 Euro Sparleistung im Jahr, 30 Prozent mehr, ohne dass eine einzige Kursbewegung nötig war.

Hinzu kommen steuerliche Vorteile in der Ansparphase: Es fällt keine Vorabpauschale an, und Umschichtungen im Depot sind steuerfrei. Besteuert wird erst die Auszahlung im Alter, mit dem dann meist niedrigeren persönlichen Steuersatz.

Drei Varianten, drei Wege zur Nachhaltigkeit

Das Gesetz sieht unterschiedliche Produktvarianten vor. Für nachhaltige Anleger unterscheiden sie sich erheblich.

Das Standarddepot: Jeder Anbieter muss ein einfaches Standardprodukt ohne Garantie anbieten, dessen Kosten auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt sind. Zusätzlich gibt es ein öffentlich verwaltetes Standarddepot. Hier bestimmt der Anbieter die Anlagestrategie. Ob und wie stark Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden, hängt also vom jeweiligen Anbieter ab. Wer grün anlegen möchte, sollte genau hinsehen, welche Fonds im Standardportfolio stecken.

Das freie Altersvorsorgedepot: Diese Variante richtet sich an Selbstentscheider. Sie wählen aus dem ETF- und Fondsangebot Ihres Anbieters selbst aus, Aktienquoten bis 100 Prozent sind möglich. Für nachhaltige Anleger ist das die Variante mit dem größten Gestaltungsspielraum. Einen gesetzlichen Kostendeckel gibt es hier nicht, dafür sorgt der Wettbewerb für günstige Konditionen.

Garantieprodukte: Daneben sind Produkte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie vorgesehen. Die Garantie kostet allerdings Rendite und schränkt die Fondsauswahl meist ein.

Welcher Nachhaltigkeitsansatz passt zu Ihnen?

Nachhaltige ETFs sind nicht gleich nachhaltige ETFs. Im Kern lassen sich vier Ansätze unterscheiden, die für das Altersvorsorgedepot infrage kommen:

ESG-Screened (Ausschlussansatz): Der Index schließt umstrittene Branchen wie Kohle, Tabak oder kontroverse Waffen aus, behält aber ansonsten die Struktur des Weltmarkts bei. Das ist der sanfteste Ansatz mit der breitesten Streuung und kaum Abweichung vom klassischen Weltindex.

ESG Leaders (Best-in-Class): Pro Branche werden die Unternehmen mit den besten ESG-Bewertungen ausgewählt. Das kann bedeuten, dass auch Öl- oder Rüstungskonzerne im Fonds landen, wenn sie in ihrer Branche vergleichsweise gut abschneiden. Für viele ethisch orientierte Anleger ist das ein Knackpunkt.

SRI (Socially Responsible Investing): Der strengste der gängigen ETF-Ansätze kombiniert harte Ausschlüsse mit hohen ESG-Mindestanforderungen. Die Kehrseite ist eine deutlich geringere Streuung: Bei einem strengen SRI-Filter kann die Zahl der Unternehmen im Index von rund 1.320 auf etwa 375 sinken.

Paris-aligned (Klima-Benchmarks): Diese Indizes richten das Portfolio am Pariser Klimaziel aus und senken die CO2-Intensität schrittweise. Sie eignen sich besonders für Anleger, denen der Klimaschutz am wichtigsten ist.

Welcher Ansatz der richtige ist, hängt davon ab, was Nachhaltigkeit für Sie konkret bedeutet. Unser ESG-Fit-Quiz hilft Ihnen, Ihre eigenen Prioritäten zu klären, bevor Sie sich für einen Fonds entscheiden.

Die Kostenfrage: Wie teuer ist grün?

Nachhaltige ETFs sind im Schnitt etwas teurer als klassische Welt-ETFs. Typisch sind Gesamtkosten von rund 0,20 Prozent pro Jahr gegenüber etwa 0,12 Prozent bei Standard-ETFs. Über Jahrzehnte summiert sich auch ein kleiner Unterschied. Bei 150 Euro monatlicher Sparrate plus Zulage und einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr macht ein Kostenunterschied von 0,08 Prozentpunkten über 35 Jahre rund 4.500 Euro aus: etwa 256.500 statt 261.000 Euro Endvermögen.

Das ist spürbar, aber gemessen am Förderhebel von 30 Prozent auf jede eingezahlte Summe überschaubar. Deutlich teurer wird es, wenn statt eines ETFs ein aktiv gemanagter Nachhaltigkeitsfonds mit 1,5 Prozent oder mehr jährlichen Kosten bespart wird. Hier lohnt sich ein genauer Blick, ob die Strategie des Fonds den Aufpreis rechtfertigt. Wie stark sich Kostenunterschiede auf Ihr Vermögen auswirken, können Sie mit unserem Green-Premium-Rechner durchspielen.

Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten

Da das Altersvorsorgedepot nur so nachhaltig ist wie die Fonds, die Ihr Anbieter zur Auswahl stellt, lohnt sich der Vergleich schon vor dem Start. Einige Anbieter setzen ausdrücklich auf nachhaltige Produkte. Die UmweltBank etwa hat angekündigt, im Altersvorsorgedepot ausschließlich Fonds und ETFs aus ihrer eigenen Selektion einzusetzen, die als Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft sind.

Diese Fragen sollten Sie jedem Anbieter stellen:

  • Welche nachhaltigen ETFs und Fonds stehen im freien Altersvorsorgedepot zur Auswahl?
  • Nach welchen Kriterien ist das Standarddepot zusammengesetzt, und gibt es eine nachhaltige Variante?
  • Welche Ausschlusskriterien gelten, etwa für fossile Energien, Rüstung oder Atomkraft?
  • Wie hoch sind die Gesamtkosten aus Depot, Fonds und Service?
  • Wie transparent werden die tatsächlichen Unternehmen im Portfolio offengelegt?

Achten Sie dabei nicht allein auf das Etikett. Die Einstufung als Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds sagt etwas über die Offenlegungspflichten aus, aber wenig darüber, wie streng ein Fonds tatsächlich auswählt. Mit der geplanten Überarbeitung der Offenlegungsverordnung sollen diese Kategorien ohnehin neu geordnet werden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur SFDR-2.0-Reform. Und dass selbst streng klingende ESG-Fonds heute teilweise Rüstungsunternehmen halten dürfen, erklärt unser Artikel zu Rüstungsaktien in ESG-Fonds.

Die Grenzen der geförderten Vorsorge

So attraktiv die Förderung ist, das Altersvorsorgedepot bindet Ihr Geld bis zum Ruhestand. Eine vorzeitige Auszahlung gilt als förderschädlich, erhaltene Zulagen und Steuervorteile müssen dann zurückgezahlt werden. Zu Beginn der Auszahlphase können Sie bis zu 30 Prozent des Kapitals einmalig entnehmen, ohne die Förderung zu verlieren. Der Rest wird als laufende Rente ausgezahlt.

Für nachhaltige Anleger bedeutet das: Das Altersvorsorgedepot ist ein hervorragender Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau, aber kein Ersatz für ein frei verfügbares nachhaltiges Depot oder Tagesgeld bei einer grünen Bank. Wer flexibel bleiben möchte, kombiniert beides.

Fazit: Förderung und Werte lassen sich verbinden

Das Altersvorsorgedepot ist eine echte Chance für alle, die nachhaltig fürs Alter vorsorgen wollen. Die staatliche Förderung von bis zu 30 Prozent auf die Eigenbeiträge, niedrige Kosten und die steuerfreie Ansparphase machen es zu einem der attraktivsten Vorsorgeinstrumente der vergangenen Jahrzehnte. Nachhaltig wird es aber erst durch Ihre Entscheidungen: durch die Wahl eines Anbieters mit guter grüner Fondsauswahl, die freie Depotvariante statt eines beliebigen Standardportfolios und einen Nachhaltigkeitsansatz, der wirklich zu Ihren Werten passt.

Wer diese Punkte schon jetzt klärt, kann am 1. Januar 2027 vom ersten Tag an grün und gefördert vorsorgen. Einen Überblick über die Entwicklung des gesamten Marktes für nachhaltige Geldanlagen finden Sie in unserem Marktreport Nachhaltige Geldanlage Deutschland.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die konkreten Produktangebote der Anbieter standen bei Redaktionsschluss noch nicht vollständig fest. Wertpapieranlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals.

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